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Dr. Tod

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1

Freitag, 19. August 2005, 16:20

Welche Voraussetzungen muß ein Hörspiel erfüllen, damit es euch gut gefällt ?

Angeregt durch das Posting "Ohrenschmaus" werfe ich mal folgende Frage in den virtuellen Raum:


WAS MACHT EIGENTLICH EIN HÖRSPIEL FÜR MICH ( bez. FÜR EUCH !) GUT UND HÖRENSWERT ?


Vorab:

Wenn ich mich im Folgenden zu bestimmten Hörspielen negativ äußere, möchte ich KEINESFALLS das Urteilsvermögen oder den Geschmack eines (oder mehrerer) Fans anzweifeln….wie gesagt hat jeder seinen eigenen, und mein Posting möchte bitte als rein subjektiv verstanden werden, danke sehr ;-)


Zunächst habe ich mir also überlegt, welche HSP mir denn sehr gut gefallen und welche eher weniger. Danach versuchte ich mir darüber klar zu werden, WORAN dies liegt, welcher Kriterien eine Rolle spielen…und bin zu folgenden Ergebnissen gekommen:


1. DIE STORY


Klar, die Geschichte ist mir sehr wichtig…dachte ich. Stimmt aber nicht. Mir fiel auf, dass einige Hörspiele zu meinen Favoriten zählen, deren Geschichte nun alles andere als originell, schlüssig oder gar logisch ist. Ein Beispiel wäre da „Dracula und Frankenstein - Die Blutfürsten“. Die Story ist eigentlich total kruder, trashiger Unfug….nichtsdestotrotz mag ich sie sehr. Umgekehrt muss aus einer guten Vorlage noch lange kein gutes HSP geworden sein. Ein Grund hierfür sind die


2. SPRECHER


Die Sprecher und ihre jeweiligen Leistungen stellen für mich den wesentlichen Anteil der Güte eines Hörspieles dar.

Ein guter Sprecher erreicht bei mir Folgendes: beim Hören entsteht vor meinem geistigen Auge eine Art Film….ich sehe die Personen in der Handlung agierend vor mir. Ich unterteile dann noch einmal in 2 Unterpunkte:

Erstens: die Stimmen selbst (Klang, Stimmlage etc. ) und zweitens: die Art des Vortrages (Betonung, Dynamik, Aussprache, Dialektfreiheit etc.)
Ich bin zum Beispiel ein großer Hans-Paetsch-Fan, und dieser Mann konnte sprechen, was er wollte: es gefällt mir, Handlung hin, Handlung her. Das liegt daran, dass ich ihm einfach, hmm, glauben…abnehmen kann, was er erzählte.

Zwei Beispiele, um die Gegenseite zu verdeutlichen: Ich stehe total auf Horror, Grusel, SF und Fantasy. Aus diesen Bereichen nehme ich jetzt mal „A.D.F“ und „SCHATTENSAITEN“. Trotz sehr guter Stories gefallen mir diese beiden Serien nicht so gut, obwohl sie durchaus sehr gut produziert sind. Hauptgrund: Ich nehme den Sprechern die Geschichte nicht ab, ich sehe sie nicht als Figuren innerhalb der (für mich durchaus spannenden ! ) Story, sondern als „Hörspielsprecher“ mit einem Skript in der Hand vor einem Mikro sitzend. Der „Film“ in meinem Kopf kommt nicht in Gang, trotz des guten Sounds, guter Geräuschkulisse, Musik etc (Dazu gleich mehr). Fairerweise muss ich sagen, dass ICH wohl nicht mal halb so gut von einem Blatt ablesen könnte….….:lese:

( @ Hoerfabrik & Pandoras Play, falls ihr hier mitlest : bitte nicht enttäuscht sein, durch kritischer Meinungsäußerung wächst ja bekanntlich der Künstler samt seinem Werk ;) )


Ein anderes Beispiel für überzeugende Sprecherleistungen: Douglas Welbat und Günther König in MACABROS. Speziell diese beiden Sprecher „durchlebten“ ihre Parts förmlich, wie ich finde…wenn König über einen Protagonisten erzählte, der völlig panisch vor etwas flüchtet, so klang er selbst vollkommen verängstigt und gehetzt.....ich verstehe nie, warum seine Sprechweise oft als „steril“ oder „eiskalt“ empfunden wird (?!) Ebenso Welbat, dessen Art des Vortrages mich bis heute Glauben macht, die Figur Macabros sei wahrhaft existent und spaziere jeden Augenblick zur Tür herein…obwohl die Stories selbst teilweise an allen Ecken und Enden haken. Unvergessen auch der von Höllenhunden gepeinigte Peter Kirchberger ( als Eddie Lawton im „Horror-Trip“ ) ....eine Superleistung .


So viel erst mal dazu. Weiterhin finde ich

3. GERÄUSCHKULISSE UND MUSIK


sehr wichtig. Hier gibt es ganz viele beachtenswerte Kleinigkeiten, die vielleicht gar nicht so in erster Linie ins Ohr dringen, aber äußerst wichtig für eine gute Atmosphäre sind. Spielt sich eine Szene z.B. im Freien ab, so hört man auf einem ( für meine Ohren ) guten Hörspiel ( je nach Location ) Straßengeräusche, eine Turmuhr, Wasserplätschern, Vogelgezwitscher, Wind, Regen, Stimmen anderer Menschen usw. Außerdem klingen Stimmen in freier Natur völlig anders als in einem kleinen oder gar sehr großen Raum. (Hier sollten die Techniker ihre Hallgeräte im Griff haben )


Fehlen diese Geräusche, so entsteht wiederum kein Bild in meinem Kopf. Sind sie vorhanden, jedoch zu leise ( oder noch schlimmer : zu laut ) eingespielt, stört mich das auch immens :help:


Nebenbei : ich finde es grundsätzlich wenig innovativ, wie auf den meisten Produktionen Stimmen verfremdet werden ( z.B. die Bösewichter bei JS2000 )....beim heutigen Stand der Technik sollte doch etwas mehr drin sein als ein Pitch-Shifter auf Stufe Minus-2, oder wie denkt ihr darüber ?


Die Musik

schließlich ist ein ganz wesentlicher Aspekt, wie ich meine, obwohl es auch hier wieder schwierig wird, da jeder einen anderen musikalischen Geschmack hat. Ein Beispiel: davon abgesehen, dass John Sinclair eh nicht meine absolute Lieblingsserie ist ( egal ob LÜBBE oder TSB...bitte nicht schlagen :D ), schießen die Musikeinspielungen der TSB-Versionen hier den Vogel ab: etwas Ungruseligeres als eine olle Bontempi-Orgel kann es nun wirklich nicht geben…. ( bitte vergebt mir, TSB-Fans ). Vielleicht wäre hier klassische Musik von einem Orchester besser platziert gewesen (Ich weiß, eine Frage des Geldes, aber darum geht es ja jetzt nicht). Obwohl ich auch die 2000er-Sinclairs nicht soooo sehr mag, haben sie allein durch den Einsatz der brachialen Musik bei mir doch schon einen ganz anderen Stellenwert.

Jedenfalls ist die richtige Musik, an der richtigen Stelle eingesetzt, Gold wert und macht einen sehr großen Anteil der Atmosphäre aus…das kennen wir ja auch aus Filmen. Diesbezüglich gefallen mir die Point Whitmark-HSP recht gut…eine Mischung aus klassischer Musik und „Wah Wah Funky“ im Stil der alten Drei ??? – sehr nett. Auch die Sounds auf den TITANIA-Produktionen überzeugen mich voll und ganz, und bei Gabriel Burns wurde nach meiner Ansicht der Vogel komplett abgeschossen...das sind schon Soundscores aus dem großen Kinofilm-Bereich, oder ?

Durch meine Mitarbeit am ersten Teil des Fan-Hörspieles INSIDE durfte ich dann auch mal feststellen, wie sau-schwer es doch ist, passende Tracks zu Hörspielszenen zu schreiben, welche die jeweilige Situation stimmungsvoll untermalen...weniger kann oft mehr sein ;) Ich gebe zu, mir eine solche Arbeit viel einfacher vorgestellt zu haben, als sie tatsächlich ist und hoffe, ich habe etwas gelernt, wenn es an die Produktion der nächsten Folge geht.

....und auch hier halte ich eine ausgewogene Lautstärke sowie gezieltes Fade-In und Fade-Out für höchst wichtig. ( absolutes Negativ-Beispiel: Todeszauber von MARITIM; die Geräuschkulisse überlagert deutlich den Sprachanteil und macht diesen fast unhörbar bzw. sehr schwer verständlich.)


So, und zu guter Letzt noch ein nicht ganz unwesentlicher Punkt:

4. DER NOSTALGIE-FAKTOR


Klar, letztlich gibt es dann noch einige Hörspiele aus meiner Kindheit, welche die oben genannten Kriterien gar nicht erfüllen :D Aber dieses vertraute Gefühl dürfte auch dem ein oder anderen bekannt sein, oder ? Als Kind hatte man eben noch andere Ansprüche und ließ sich, hmmm, viel leichter in andere Welten entführen, was meint ihr ? Ich für meinen Teil höre jedenfalls bis heute noch einige HSP, die ich, hätte ich sie erst kürzlich zum ersten Mal gehört, wohl grottenschlecht finden würde.


Ach ja, noch eine Kleinigkeit zum Schluss: :holmes: DAS AUGE HÖRT MIT :holmes: - Will sagen, dass ein Cover nicht direkt etwas mit dem zu hörenden Inhalt zu tun hat…aber eine schöne Aufmachung und ein ansprechendes Cover-Bild irgendwie auch zum Hörgenuss beitragen. Was diese Thema betrifft, ist die gute, alte LP ob ihres großen Formates einfach nicht zu toppen :1a:


Bla Bla Bla .... :lehrer:


…und was meint IHR so dazu ????


cu
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Schamane

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2

Samstag, 20. August 2005, 00:41

Wenn ich ehrlich bin, kann ich das an nichts so richtig festmachen
Klar, Nostalgie-Faktor ist eins, aber das hat es nur schwieriger gemacht, neue Serien in die Sammlung aufzunehmen.

Die Sprecher...mir gefällt es, wenn bekannte Sprecher dabei sind, die ich schon immer gern gehört habe. Aber die hauptsache ist, sie machen ihren Job gut, dann ist es mir doch ziemlich egal, wer es ist.

Die Musik...wenn sie mir gefällt, ist das ein großes Plus.

Die Geschichte? Bei neuen Hörspielen, z.B. Gabriel Burns, ist mir die Story wichtig. Bei alten Sachen, wie Hui-Buh oder Jan Tenner oder was weiß ich, ist das nicht so wichtig für mich.

Im Grunde höre ich ja auch alles, und wenn ich mehr Geld hätte, würde ich noch mehr hören! :-)
Wer nicht sehen will, muss hören! :-)

http://olis-weite-welt-des-wahns.blogspot.com



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Dr. Tod

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3

Samstag, 20. August 2005, 01:43

Zitat

Original von Schamane
[...] und wenn ich mehr Geld hätte, würde ich noch mehr hören! :-)


Stimmt...über den finanziellen Aspekt müßte man auch noch nachdenken...aber nicht mehr heute, mich haut's hier gleich vom Sessel ! ;(

Angenehme nacht, alle zusammen :zzz:

dot
:D
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Schamane

Der Pfarrer mit den Laseraugen

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Samstag, 20. August 2005, 02:02

Kein Durchhaltevermögen die Jugend von heute! :-)
Hab mir ein HSP eingelegt und mich durch alle Foren geackert, jetzt bin ich fertig.
Wer nicht sehen will, muss hören! :-)

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eason

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Samstag, 20. August 2005, 02:07

Bei "alten" Hörspielen, die ich als Kind schon gekannt habe, können die Geschichten und sogar manchmal die Sprecher richtig schlecht sein, und ich liebe die Teile trotzdem. Denn wenn ich da Wert auf gute Sprecher legen würde, wie könnte ich Schreckenstein von Schneider Ton so lieben? 8-)

Bei Sachen, die für mich neu sind (das sind ja nicht immer auch wirklich neue Sachen), gehe ich natürlich objektiver ran, da muss die Geschichte dann schon ordentlich sein und die Sprecher bitte auch. Es gibt aber auch Sprecher, die ich für mich einiges retten könnten (Sascha Draeger ...), oder witzige Szenen, die ein Hörspiel von "doof" auf "ganz okay" hieven.

Letztendlich bin ich niemand, der ein Hörspiel analysiert, das möchte ich auch irgendwie gar nicht. Manchmal reicht auch eine schöne Erinnerung an eine Situation, die ich mit dem Hörspiel verbinde, damit ich es mag. Das wird niemals ausreichen, damit es in die Top 20 kommt, aber ich gehe da höchst irrational ran und bin damit völlig zufrieden. =)
Humankind cannot bear very much reality.
(T. S. Eliot)


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Samstag, 20. August 2005, 16:50

Zitat

Original von Schamane
Kein Durchhaltevermögen die Jugend von heute! :-)


Jugend von heute ....schön wär's :D Bin immerhin nah am Rentenalter ( wie war das, mit 40 darf man doch, oder wie ? :-D ) Immerhin komme ich noch ohne Hilfe über die Straße, das tröstet mich ein wenig ( muß allerdings eine schmale, relativ unbefahrene Straße sein....am Besten wär' ein asphaltierter Feldweg oder so, hehe )....so, genuch dumm Zeuch geschwätzt :D

Zitat

Letztendlich bin ich niemand, der ein Hörspiel analysiert, das möchte ich auch irgendwie gar nicht


Nee, das mache ich auch nicht, eason, da hast du natürlich recht, insofern man sich damit das schönste Hörspiel ( oder Musik, Film, Buch, was-auch-immer...) kaputt analysieren kann. Es hat mich nur mal grundsätzlich interessiert, was, ganz pauschal gesehen, ein Hörspiel "haben" muß bzw. nicht haben darf, um mir zu gefallen. Ich betreibe solche "Durchleuchtungen" nicht mit jedem gehörten HSP / Hörbuch, fand es jedoch ganz ergiebig, mal darüber nachzudenken und habe mich gefragt, ob gewisse Aspekte anderen Hörern bekannt vorkommen oder aber ganz andere Dinge relevant sind.

Der Nostalgie-Faktor ist übrigens auch bei mir relativ gut ausgeprägt :D Es gibt quasi kein einziges Hörspiel aus meiner Kindheit, welches mir nicht auch heute noch das Herz erwärmen könnte. Ich vermute mal, dass nicht nur die Geschichte, sondern auch die Gefühle, die Umgebung, die Stimmung etc. der damaligen Zeit dazu beitragen, dass man sich "geborgen" und wohl fühlt. Außerdem war das damals 'ne ganz andere, viel ernsthaftere Angelegenheit mit den Hörspielen : bedingt durch den noch nicht all zu weit ausgeprägten kindlichen Horizont fürchtete man sich, lachte, war gespannt, trauerte, fieberte mit...und dies alles bei Geschichten, die einem, würde man sie heute zum ersten Mal hören, allenfalls ein müdes Lächeln abringen oder quälende Langeweile aufkommen lassen würden.

Aber wie Eingangs bereits erwähnt : natürlich sollte man die Geschichte fließen lassen, und sich nicht dauerhaft mit Fragen ablenken, warum diese Szene gerade irgendwie besser war als die vorherige ;-)
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7

Sonntag, 21. August 2005, 18:32

es sind einige faktoren die erfüllt werden müssen damit ein HSP gelungen ist, und kollege dot hat das ja wunderbar zusammengafasst. spare ich mir an dieser stelle die wiederholung.
wie bei jeder guten regel gibt es ausnahmen.

zum ersten der schon erwähnte nostalgiefaktor. so sind die zwillinge in "Fünf Freunde im Burgverlies" unerträglich und müssten nach ständiger rechtsprechung ausgepeitscht werden, dennoch störe ich mich nicht dran, zu sehr ist das tape nostalgiebehaftet.

zum zweiten gibt es tapes, die eine völlig kranke geschichte haben, die sprecher im grunde müll aber trotzdem eine gewisse faszination ausüben. banco reotet wieder von detla is da so ein kandidat. vermutlich bin ich der einzige mensch auf der welt der dieses bizarre teil mag. ändert nichts daran das ich bei dem machwerk über alle mängel und unfähigkeiten hinweghöre.

der spunk
Es gibt Suppe, Fettsack