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Donnerstag, 26. Oktober 2006, 17:02

Perry Rhodan Sternenozean Folge 1 Der Sternenbastard

Inhaltsangabe

In Kantirans Adern fließt terranisches Blut, und man sieht es ihm an. Er ist ein schwarzes Schaf unter den weißhaarigen, rotäugigen Arkoniden des Kristallimperiums. Dennoch akzeptiert ihn die höchste Militärakademie Arkons als Kadetten. Warum? Und wer ist dieses Mädchen vom Markt?


Story

Ein Tropfen fällt hörbar in einen Ozean voller Sterne und verliert dort seine grazile Gestalt. Leichte Wellen zerfurchen die Oberfläche des Meeres voller Phantasie. Im Äther rauschend, geistern nun Worte umher, orchestrale Musik brandet auf und der Vorhang gleitet zur Seite. Ich verharre gleich in den ersten Momenten des Hörspiels, da diese so selbstbewusst auftreten, dass mir ein glückseliges Lächeln auf den Lippen haften bleibt. Schon lange fehlt es im Sci-Fi Genre an einer wahren Space-Opera. Kann Perry Rhodan aus dem Hause Lübbe Audio, diese Lücke schließen? Es hört sich gleich verdammt danach an.

Brachial und cineastisch ebbt das Intro allmählich ab. Vögel zwitschern friedlich vor sich hin. Unter den blättrigen Dächern von Bäumen, befinden sich drei junge Kerle. Einer ist der Sternenbastard. Kantiran, Sohn bereits verstorbener Eltern. Außenseiter ohne Herkunft, ein exotisches Ergebis einer terranischen und arkanoidischen Verschmelzung zweier Körper. Sein Äußeres wirft ihn aus der Norm und sein Charakter mag diesem Umstand einen zusätzlichen Stoß versetzen. Ungestüm, aufbrausend, bisweilen äußerst reizbar. Seine Gefühlswelt vermittelt er forsch in der Form eines Erzählers. Einblicke in sein Seelenleben übernimmt er anscheinend lieber selbst. Wie einsam seine Existenz bei seinen Pflege-Eltern verläuft, wie er von allen abgelehnt wird, spürt er jeden Tag, gerade in diesem Augenblick. Lässig in einen Gleiter fläzend, wippt Tam, eine hochnäsige Person aus hohem Hause, mit seinen sündhaft teuren Leder-Stiefeln. Kantirans Augen folgen neidisch und fluchend der abfälligen Bewegung. Selbst ohne Worte türmen sich Mauern vor ihm auf. Aus seinen Gedanken reißt ihn Valizon, sein einziger und scheinbar wohlgesonnener Begleiter. Kurz Zeit später begeben sie sich auf eine Exkursion in den isolierten Wald, jene Heimat der gefährlichen Grochen, Raubtiere mit brutaler Kraft, die sich schwebend fortbewegen.

Neben Kantirans erzählende Weise über seine Verfassung, schmiegt sich ein weiterer Erzähler in die Handlung. Präzise, mit klarer und hinreichend schmückender Sprache, berichtet er über allgemeine Vorgänge. In Folge dessen strukturiert sich das Hörspiel vernehmbar in verschiedene Ebenen. Gemäß der Maxime, das persönliche Gedanken sich nun mal intensiver vom Betreffenden schildern lassen und Szenen ohne emotionalen Hintergrund einer neutralen Stimme bedürfen, gewinnt das Hörspiel an Profil und Vielseitigkeit. Förderlich darf sich der Umstand schimpfen, dass sich diese Schienen deutlich unterscheiden. Verwirrung mag so gar nicht erst aufkommen.

Ein surrendes Vibro-Messer schneidet sich durch dichte Natur. Eine Bewegung, lautlos, gefährlich. Über den Boden gleitend, nähert sich plötzlich eine Gruppe Grochen. Dumpfes Grollen zerrt an den Nerven von Kantiran und seinen Gefährten. Eine Flucht scheint nicht möglich, eine Auseinandersetzung unvermeidlich. Aus unerklärlichen Gründen verläßt Kantiran seine Deckung und tritt den gewaltigen Tieren entgegen. Ruhe herrscht, knisternde Anspannung liegt in der Luft. Sprachlos verfolgen Valizon und Tam, das leichtfertige Verhalten Kantirans. Gleich wird er in Stücke gerissen. Aus der bedrohlichen Lage schält sich etwas Erhabenes, ein Wimpernschlag der Harmonie. Eine unbeschreibliche Verbindung scheint zwischen Kantiran und den Grochen zu wachsen. Friedlich wenden sich die Kolosse schließlich ab und werden vom Grün des Waldes verschluckt. Übrig bleibt der Eindruck, was ein Hörspiel an Gefühlen und Spannung hervorrufen kann. In seiner kompakten Art ermöglicht die Geschichte es dem Hörer, erlebnisreiche und packende Räume ohne Türen zu erleben. Klein sind sie, konzentriert in ihrer Ausstrahlung, nah am Puls spürbarer Dramatik.

Aus dem Wald heraus, schwenkt das Augenmerk nun zu einem interstellaren Gespräch über Funk. Ein rascher, sauberer Schnitt. Kantirans eindringliches Erlebnis verschwindet hinter Worten kosmischen Ausmaßes. Myles Kantor berichtet von einer Störung, einer Verzerrung der Raum-Zeit-Struktur. Raumbeben erschüttern viele Sektoren. Das Epi-Zentrum scheint in der Nähe von Hayok zu liegen. Perry Rhodan sieht sich in seinen Befürchtungen bestätigt. Bescheiden wie eine Figur am Rande, fügt sich Rhodan nun in den Plot ein. Durch diesen Schritt enthüllt die Serie Perry Rhodan ihre ganze Bedeutung. Das Universum rund um und mit der Person Rhodan, setzt sich ohne Grenzen, vielmehr mit einer nahezu epischen Komplexität in Szene. Es herrscht Leben in der Galaxis. Händler pendeln mit ihren Schiffen zwischen Planeten umher, die Nacht wird zum Tag, Zeit vergeht, Grochen ziehen sich in einem Wald zurück und Perry Rhodan führt ein Gespräch mit Myles Kantor. Perry Rhodan darf nicht als das Wesentliche angesehen werden, obwohl er sicherlich schon eine zentrale Rolle inne hat. Stattdessen bezieht diese Serie ihre Faszination aus einem gemeinsamen Projekt von vielen Künstlern, dass sozusagen in der Perry Rhodan-Ausstellung seine Beachtung findet. Mit dem Funkverkehr wirft die Produktion einen weiteren Handlungszweig auf. Kantirans Geschichte steht ebenso im Mittelpunkt, wie jene unerklärlichen Raumbeben. Wo sich diese Wege indes kreuzen, bleibt in dieser Folge offen. Dass sie sich schneiden werden, ist allerdings spürbar.

Die erste Episode der Sternenozean-Saga flechtet einen reichen Korb. Die Charaktere sind treffend in ihrem Wesen angerissen. Eckpfeiler für weitere Folgen finden harmonisch ihren Platz im Konzept. Kantirans ödes Leben erfährt später einen wesentlichen Bruch. Seine Herkunft öffnet ihn unvorhergesehen große Türen. Doch nicht nur auf dieser Ebene zieht das Hörspiel seine Register. Begleitet werden diese Schritte von einer dichten Atmosphäre, die sich vornehmlich der Gefühlswelt annimmt. Geschichten können bewegen, Emotionen fördern. Der Sternenbastard beherzigt genau diese Aspekte. Verbunden mit einer ausgeklügelten Dramaturgie, darf von einer Space-Opera gesprochen werden, die sich galant und mit erschreckender Souveränität in die vorderen Ränge auf den Hörspiel-Markt katapultiert. Liebe, Erfolg, Intrigen, Dunkle Pläne. Eine unwiderstehliche Rezeptur.

Bei all dem Lob. Die Zutaten kommen einen doch relativ bekannt vor. So mancher Krieg der Sterne griff auf diese zurück, indes äußerst erfolgreich. Dies lässt sich sicherlich als Kritik heranziehen. Wo bleibt also die Innovation?! Eine einfache Antwort. Ich sehe sie in einer gelungenen und frischen Interpretation des Romans von Robert Feldhoff, der den Sternenbastard vor einiger Zeit zu Papier brachte. Viele Hörspiele haben sich an Perry Rhodan rangewagt. Herausgekommen ist meist eine sehr trockene Verarbeitung des Themas. Hier klebt es zuckersüß, eine Hand sucht unwillkürlich nach dem Popcorn-Eimer. Es läßt sich herzhaft reinbeißen in diese saftige Frucht. Die Angst eine faule Stelle oder gar einen Kern zu erwischen, erweist sich als unbegründet. Die phantastische Atmosphäre bildet demnach keine eilige Fassade, um vermeindliche Schwächen im Rohbau zu verdecken.


Sprecher

Hier nicht ins Schwärmen zu geraten, dürfte ein schweres Unterfangen sein. Christian Stark meistert seine Hauptrolle als Kantiran wie ein Gedicht. Mit 38 Jahren ein noch sehr junger Sprecher, aber mit einer Aura und einem Talent gesegnet, wie es nicht oft anzutreffen ist. Stark lebt Kantiran. Seine Aggression, die Hingabe, bemerkenswert. Fließend wechseln Lagen in der Betonung, fügen sich in die gewünschte Haltung und lassen den Hörer richtig mitfiebern. Dagegen kann Volker Lichtenbrink als Perry Rhodan mit seinem kurzen Auftritt nicht bestehen. Zu klein sind die Eindrücke, die er mit seinem Text hinterlassen kann. Eines lässt sich allenthalben schon festhalten. Die warme Stimme harmonisiert mit dem Charakter Perry Rhodans. Eine dezente Spur von Würde bleibt zudem haften. Den Erzähler, der die Geschichte vorantreibt, übernimmt Jochaim Höppner. Was soll ich zu diesem Mann noch Worte verlieren. Er repräsentiert dank seiner Art etwas Väterliches, etwas Ordnendes im Hörspiel. Eine exzellente Besetzung. Kantirans terranische Uhr Tonto verfügt über einen Sprachchip. Diese kleine freche Ding gluckst behände und ungefiltert Informationen mit der Stimme von Norbert Langer am Fließband heraus. Eine köstliche Darbietung. Selbst eher kleine Rollen, wurden durch hochkarätige und erfahrene Sprecher besetzt. Besonders stechen noch Daniela Hoffmann (Ascari da Vivo), Manfred Lehmann (Shallowain) und Cathlenn Gawlich (Thereme) heraus. Jürgen Kluckert (Mal Detair) fällt dagegen etwas zurück. Als Erzähler ist er eine Bank, aber in der Rolle eines wichtigen Akteurs in der Geschichte, vermochte er mich hier nicht zur Gänze überzeugen. Kluckert verfügt über eine sehr prägnante Stimme, die an sich gut zu der hühnenhaften Gestalt Detairs passt. Jedoch klingt er mir zu freundlich, zu liebevoll. Allen anderen Sprechern darf ein großes Lob gezollt werden, da sie mit dafür verantwortlich sind, dass aus dem Sternenbastard ein vorzügliches Hörspiel geworden ist.


Musik

Ich lese Namen von Solisten im Booklet, erfahre Details über exklusiv komponierte Musik, welche vom Berliner Filmorchester eingespielt wurde. Was für eine Musik! Perfekt, anders kann ich es nicht beschreiben. Eine sagenhafte Qualität, die nach einer Auskopplung als Sound-Track geradezu schreit. Treibende Rhythmen, geheimnisvolle Klänge, Sinfonien der Macht. So wie Musik einen Film potentieren kann, so gilt das gleiche für diese Produktion. Jede Situation, ausnahmslos, wurde treffend arrangiert. Kämpfe schwellen durch die Sequels an, Momente der Liebe begleiten süße Melodien, metallische Arrangements spiegeln das Fremde, die Kälte der Galaxie wieder. Diese Investition macht sich bezahlt. Nach Ende des Hörspiels wartet noch der Titel „Passing By“ der Band Camouflage in einem Perry Rhodan Mix, der mich ein wenig an Depeche Mode erinnert.


Effekte

Kaum ein anderes Genre als Science-Fiction hat es schwerer durch eine Kulisse für Glaubwürdigkeit zu sorgen. Wie klingt ein fremdes Lebewesen authentisch? Wie hört sich eine Stadt auf einem fernen Planeten an? Schwierigkeiten, die aber auch Chancen zur Entfaltung bieten. Schließlich ist der Phantasie an sich erstmal keine Grenze gesetzt. Zunächst fällt es auf, dass die Geräusche sehr präsent sind. Sie pendeln sich exakt in dem Bereich ein, um sie zu registrieren, ohne es als aufdringlich zu empfinden. Vorwiegend unbewußt bleiben sie im Ohr und sorgen auf diese Weise für Räumlichkeit und Vitalität. Während der gesamten Spielzeit wird man nicht alleine gelassen. Letztlich schaffen es die Effekte den Grad Vertrautheit zu pflanzen, um unbekannte Laute zu akzeptieren. Eine homogene Darbietung.


Cover

Endlich mal ein ansprechendes Layout für Perry Rhodan. Wirken die Bücher, Hefte und anderen Hörspiele dieser Serie derart verstaubt und langweilig, emanzipiert sich das Produkt von Lübbe Audio. Rhodan wirkt reifer, edler und moderner. Der metallische Farbton prägt die gesamte Reihe und macht sie unverkennbar.


Fazit

Auf solch ein teuflisches Werk habe ich persönlich lange gewartet. Der Auftakt für meine Hörspiel-Serie des Jahres 2006. In allen Kriterien spielt der Sternenbastard ganz vorne mit. Ein eindrucksvolles Hörspiel, mehr brauche ich nicht an Worten zu verlieren!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Panaray« (29. Oktober 2008, 15:48)


2

Donnerstag, 26. Oktober 2006, 19:49

Dem kann ich eigentlich nur voll zustimmen. Die Folge ist aber dabei lediglich nur der Auftakt für eine fulminante Serie, bei der einem manchmal einfach nur noch die Worte fehlen.

Wer eine weitere Meinung von mir lesen will, kann dies hier tun.

Link von Sebo entfernt


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3

Donnerstag, 26. Oktober 2006, 19:57

Ja, da hat Lübbe wirklich mal was feines gezaubert. Ich freue mich schon so derbe auf 2007, wenn es endlich weitergeht.

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Donnerstag, 26. Oktober 2006, 20:01

Zitat

Original von Panaray
Ja, da hat Lübbe wirklich mal was feines gezaubert. Ich freue mich schon so derbe auf 2007, wenn es endlich weitergeht.


Oh ja, ich auch. Zum Glück gibt es ja dann gleich 6 (!) weitere Folgen :-]


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