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Dienstag, 24. Oktober 2006, 14:22

Drizzt - Die Saga vom Dunkelelf Folge 2 Im Reich der Spinne

Inhaltsangabe

Der junge Drizzt ist zu einem der begabtesten Schwertkämpfer herangewachsen, die die Drow jemals hervorgebracht haben. Auf gefahrvollen Patrouillen bewährt er sich als tapferer Krieger und mutiger Gefährte. Als ihn seine Aufgaben aber in die unbekannten Gebiete der Oberfläche führen, verändert sich sein Weltbild dramatisch. Gibt es einen Weg zurück in die unbarmherzige Welt der Drow?


Story

Fanfarenstöße verkünden Veränderungen, wuchtige Schläge verursachen Brüche, ein Hörspiel voller hingebungsvoller Gegensätze. Gefangen in einem Zwiespalt aus konditionierender, grausamer Erziehung und einer revoltierenden Seele, steht Drizzt nun kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung in den verschiedenen Stätten von Menzoberranzan. Seine Talente beziehen sich, wie es im Laufe der Zeit immer offensichtlicher wurde, nicht nur auf den virtuosen Umgang mit allerlei tödlichen Waffen. Seine Veranlagungen lassen ihn ebenfalls in der Kunde der Magie großes vollziehen. Unter der Aufsicht von Masoj Hun’ett entfacht Drizzt nunmehr ein breites Spektrum an Fähigkeiten, dass ihn nur noch weiter aus der Masse der Drow emporhebt. In nahezu greifbarer Nähe muss der Gesichtslose Meister mit ansehen, wie sich sein verhasster Feind aus dem Hause Do’Urden stetig in seinen Fähigkeiten verbessert. Gesichtlos, aber mit einer verborgenen Identität. Ohne Antlitz, wie das im Herzen blinde Volk der Drow, mag der Meister als Sinnbild für die Existenz und das Schaffen der Dunkelelfen gelten. Ahnungslos lernt Drizzt seit einiger Zeit in einer Umgebung voller tödlicher Gefahren, die nur noch darauf wartet, vergossenes Blut zu sühnen.

Lausch hat die Kehrtwende geschafft. War das Debüt der Saga vom Dunkelelf zunächst eher verwirrend als unterhaltend, wirkt die Handlung diesmal von Beginn an klar und wohl skizziert. Dank der übersichtlichen Dramaturgie, bleibt vielmehr ein enormer Raum, die Charaktere, inbesondere Drizzt, und das Wesen der Drow stärker in die Waagschale zu werfen. So gesellt sich an die Seite von Drizzt ein schwarzer Panther, ja ein Freund, ein Weggefährte. Eine Bezeichnung, die kein anderer Dunkelelf für sein Gegenüber übrig haben dürfte. Vertrauen, Freundschaft haben in der, von der Spinnenkönigin Lolth domininerten, Gesellschaft keine Berechtigung, keine Möglichkeit zum atmen. Die Serie legt in der zweiten Folge einen großen Wert auf Gegensätze. Diese spalten, provozieren und wecken eine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Die Geschichte hält in diesem Sinne für Drizzt einige prikäre Situationen bereit, in denen er sich klar bekennen muss, in denen sein Gewissen auf eine harte Prüfung gestellt wird. Ihm steht unter anderem die Weihe bevor, jenes Ritual zum Abschluss seiner Ausbildung. Ein schwelender Brand zwischen seinem Lehrmeister Zaknafein dramatisiert und erschwert zudem die ohnehin schon kaum erträgliche Lage. Ihr gärender Hass aufeinander ernährt sich von Missverständnissen und törichten Annahmen. Zunächst klingt dies sehr persönlich, eine Angelegenheit zwischen zwei Personen und doch blitzen Beziehungen zur allgemeinen Art der Drow auf. Aus einer intimen Fehde lassen sich übergeordnete Werte herausziehen. In ihrer Motivation der Spinnenkönigin zu dienen, ereifern sich die Dunkelelfen, werden blind für das Wesentliche. Ihre Vorstellungen von Werten und Moral ersticken unter der Last von Maßlosigkeit, Neid und Gewalt. Verwandtschaft, selbst die gemeinsame Blutlinie gilt nicht als Barriere, als Anlass für Zusammenhalt. Egozentrisch strebt jeder einzelne nach Macht und Ruhm.

Jeder?! Nicht jeder…

Der erzählende Part in der Produktion gewinnt schnell eine wage Überhand. Drizzt schildert seine Emotionen und Zerwürfnisse reflektiert und einfühlsam. Dadurch wächst die Bindung an den Protagonisten. Diese Figur bildet Konturen aus, erhält ein immer schärferes Gesicht. Sie selbst wird zum Gegensatz eines Dunkelelfen. Ihre Beweggründe lassen sich wunderbar nachvollziehen und stärken den kompakten und geradlinigen Eindruck dieser Folge. Imposant belegt dies ein kontrastreicher und sehr geschickt ausgearbeiteter Moment im Plot. Drizzt führt eine Patrouille in das Reich der Elfen von der Oberfläche. Anmutige Gerüche berühren dort seine Nase, verzaubern seine Sinne, während der Rest von arglistiger Magie spricht. Jeder solle sich vor den blutrünstigen Elfen der Oberfläche hüten. Das Licht dieser fremdartigen Welt empfindet Drizzt als Offenbarung, fast schon als Umarmung, hingegen verabscheuen es die anderen Dunkelelfen. Liebliche Musik dringt aus einem Waldstück. Dann beginnt die Schlacht, besser das Abschlachten. Ohne die Möglichkeit einer Gegenwehr verlieren Elfen im Wald auf brutale Weise ihr Leben. Im Hintergrund spielen, gleich einer verzerrenden Fratze, zarte Streichinstrumente weinende Melodien auf. Was für eine Atmosphäre! In Gedanken keimt die Erkenntnis, dass die Beschreibung der Elfen, eher eine exakte Schilderung der Natur der Drow darstellt. Eine groteske Raserei, die in ihrer Bedeutung nicht treffender inszeniert hätte werden können. Während um Drizzt eine ungehemmte Rage ihren blutigen Pfad beschreitet, versucht er das Geschehen aufzuhalten, seine Patrouille vom Morden abzuhalten. Im um sich greifenden Tode wird Drizzt nun neu geboren. Erinnerung an die erste Folge erwachen. Erst der Mord an einem seiner Brüder verhalf Drizzt zum Leben, verhinderte seine Opferung an die Spinnenkönigin. Welch eine herrliche metaphorische Verbindung. Die bereits zu erwartende Tiefe dieser Serie hinterlässt erste Eindrücke.

Die Saga vom Dunkelelf hat an Persönlichkeit gewonnen. Es geht nicht mehr unnötig Zeit verloren, um Figuren vorzustellen oder Zusammenhänge zu erläutern. All diese Aspekte ergeben sich aus der Handlung, wirken folglich integrierter und nicht als Kompromiss. Packend gestalten sich die Kontroversen, die Entscheidungen, welche Drizzt zu fällen hat. Jeder Schritt, jede Entwicklung hat nachvollziehbare Ursachen und Konsequenzen. Wird die Saga dadurch tauglich für die Allgemeinheit? Eine schwere Frage. Fantasy ist schon ein sehr spezieller Bereich, welcher hier indes mit viel Niveau und Hingabe in ein Hörspiel gefasst wurde. Diese Folge hat mich davon überzeugt, dass es mit Drizzt äußerst spannend und abwechslungsreich weitergehen wird. Der befürchtete Vordergrund aus imposanter Kulisse und verstörender Story fällt in sich zusammen. Aus der Asche steigt eine Hörspiel-Reihe, die sich sehr ihren Charakteren verschreibt und deren Tiefen auslotet.


Sprecher

Sehr unangehm fällt mir diesmal nur Martin Sabel in seiner Rolle als Masoj Hun’ett auf. Überheblich soll er klingen, den anmaßenden Magier im Hörspiel entsprechend interpretieren. Bei Zeiten gelingt dies, derweil sich diese Augenblicke sehr übersichtlich gestalten. Insgesamt betrachtet, setzt sich mit der Zeit eine zu aufgesetzte, überstrapazierte Sprechweise durch. Die Überheblichkeit verliert sich letztlich in Unglaubwürdigkeit. Dies wäre im Grunde der einzige wirklich herausstechende Anlass zur Kritik, denn im Gegensatz zur ersten Folge konnten sich die Sprecher allesamt steigern. Tobias Meister verleiht Drizzt weiterhin seine Stimme. Stärke und Schwäche geben sich die Hand und spiegeln die innere Spaltung der Figur wieder. Diese Wechsel trifft Meister perfekt. Eine ideale Besetzung. Zaknafein Do’Urden findet in Michael Prelle eine harmonische Vertonung. Aus seiner Stimmlage lässt sich die Erfahrung und Reife eines Waffenmeister der Dunkelelfen heraushören. Oberin Baenres rauchiges Organ stammt von Dorothea Reinhold. Würde und kalte Macht prickeln noch in den Hörmuscheln, wenn Frau Reinhold letzte Silben aus ihrem Munde presst. Gleichfalls eingängig ist die dominante Stimme von Elga Schütz, die sich der Oberin Malice Do’Urden annimmt. Worte können schneiden und Wunden hinterlassen, wenn sie so gesprochen werden, wie es Elga Schütz es den Hörer angedeihen lässt. Die übrigen Sprecher entledigen sich ihres Skriptes in guter bis durchschnittlicher Manier. Darüberhinaus möchte ich noch erwähnen, dass das Problem der unterschiedlichen Lautstärke aus Folge 1 der Vergangenheit angehört.


Musik

Lausch entdeckt in dieser Serie die leisen Töne, die angenehmen Zwischenfrequenzen. Den Auftakt machen vorerst Fanfaren sowie rhythmische Trommeln. Das Adrenalin brodelt, die Nackenhaare richten sich auf. Drizzt leitet sich selbstbewußt ein. Dem ausufernden Auftritt schließen sich leise und hoffnungslose Stücke über Tod und Verderben an. Tränen perlen die Tonleiter herab und tropfen auf ein Becken der Emotionen. Folkloristische Einlagen geben schließlich ihren Einsatz an dramatische Passagen ab.


Effekte

Die Kulisse tritt dezenter in Erscheinung. Wohl gemacht, fällt mir dazu ein. Bestanden Geräusche im ersten Teil noch vordergründig aus plakativ vertontem Gemetzel, so gestaltet sich das Sterben diesmal angemessener. Der Tod nimmt sich nach wie vor viel aus dem bestehenden Fundus an Charakteren, aber diesmal ist das Grauen enormer, der psychologische Anteil höher. Würgende Laute einer zugeschnürten Kehle klammern sich an den eigenen Hals, verzerrte Stimmen repräsentieren den magischen Anteil im Hörspiel. In meinen Augen, hätte die allgemeine Umgebung allerdings mehr Unterstützung durch Effekte bedurft. Räume bleiben blass in der Phantasie hängen und magische Angriffe wie der Feuerball, hören sich eher wie kleine, unbeholfenen Schläge an.


Cover

Mit dem Layout hat das Team von Lausch voll ins Schwarze getroffen. Ein geniales Booklet, das abermals eine kleine schriftliche Einführung in die begriffliche Welt von Drizzt parat hält, erfreut das Auge. Sehr schön!


Fazit

Drizzt scheint eine der Serien zu sein, bei der man gebannt und ungeduldig auf eine weitere Folge wartet. Ein geschicktes Spiel aus Wendungen und Brüchen, Gegensätzen und Bekenntnissen, fördert eine ungemeine Neugierde zu Tage, wie es wohl mit Drizzt weitergehen wird. Die Schwächen des Debüts sind weitesgehend ausgemerzt worden, wodurch eine sehr hörenswerte Produktion die Saga vom Dunkelelf fortgesetzt hat.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Panaray« (29. Oktober 2008, 15:53)