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Donnerstag, 28. Juni 2007, 16:43

Die Dr3i Folge 7 Der kopflose Reiter

Inhaltsangabe

Ein unheimlicher Reiter ohne Kopf versetzt die Bewohner von Rocky Beach in Angst und Schrecken. In nebligen Herbstnächten taucht er um Mitternacht auf und reitet durch die Stadt. Ist es der Geist des alten Indianers Ashoona Apeh, der mehr als 100 Jahre nach seinem Tod Rache nehmen will an jenen, die ihn seinerzeit köpften? Hat der Urenkel des Indianers etwas zu verbergen? Bevor "Die Dr3i" sich versehen, stehen sie dem gefährlichen Gegner und seinem Schwert machtlos gegenüber...


Story

Nebel verstopft das nächtliche Rocky Beach. Milchig und trübe hängt eine Fassade aus Dunst in der Luft. Eine Kirchenglocke zerreißt die Stille zu mitternächtlicher Stunde. Marty Stevens beschließt zu Bett zu gehen und wendet sich vom Fenster seiner Wohnung ab, doch ein sich näherndes Geräusch auf der Straße lässt ihn neugierig in das dunkle Panorama zurückblicken. Ein schwarzes Pferd zerfetzt die graue Wand aus Nebel. Geronnenes Blut bedeckt des Reiters Gewand, welches auf Höhe des Halses in grausame Leere endet. Mit einem wild schlagenden Puls verflochten, entschwindet der Hauch des Reiters in die gierigen Fänge der Dunkelheit.

Am nächsten Tag geht auf dem Schrottplatz von Titus Jones ein Anruf in der Zentrale der drei Detektive ein. Am Telefon schildert Mr. Stevens seine verstörende Beobachtung in der vergangenen Nacht, was Jupiter dazu veranlasst Nachforschungen in die Wege zu leiten.

Die siebte Folge setzt sich mit einem düsteren Impuls in Szene, von dem aus sich die verbleibenden Minuten des Hörspiels entwickeln werden. Der Plot folgt einer klaren Vorgabe, einem ausgeprägtem singulären Ast, der stets ein wenig mehr erkundet wird. Die Dr3i aus Rocky Beach ermitteln von Spur zu Spur, von Erkenntnis zu Erkenntnis. Auf diese Weise soll sich das Geheimnis des Reiters gemächlich, schon fast behutsam, lüften. Damit der eben angerissene Ast indes nicht kahl und leblos anmutet und somit die Geschichte nicht auf ödem Terrain verweilt, befasst sich der Autor mit viel Liebe mit den Attributen der Charaktere. Jupiter delegiert und kombiniert, angenehmerweise ohne seine berüchtigte Arroganz, Peter schwärmt von Zombie Filmen, darf als Chauffeur und Einbrecher herhalten sowie in einigen Momenten seiner ängstliche Natur frönen, während Bob voller Hingabe in Artikeln kramt und mit seiner dezenten Ader für manchen Kommentar sorgt. In meinem Gedächtnis habe ich vergeblich nach einer Folge dieser Serie oder der verblichenen Drei Fragezeichen gesucht, welche sich so intensiv den Verhaltensweisen, Talenten, Ängsten und entstandenen Traditionen widmet, wie diese. Das Augenmerk ruht nämlich nicht nur allein auf den Protagonisten, sondern streift auch andere Schauplätze und Rollen, welche erst die famose Atmosphäre des kopflosen Reiters gebären. Auf dem Schrottplatz von Onkel Titus dürfen wir zwei anpackende Kerle willkommen heißen, Tante Mathilda wirbelt theatralisch und besorgt durch Alt-Eisen, Onkel Titus erweist sich als fleißiger Geschäftsmann und die Zentrale erfährt sogar eine kleine äußerliche Veränderung. Mit aller Macht reißt sich diese Episode die Stärken vergangener Tage an die Brust, feilt und poliert diese auf faszinierende Weise und schickt letztlich einen modernen Oldtimer auf die Reise, der mit einem freudigen Lächeln und einem Tränchen im Auge in die Ferne entlassen wird. Dem Autor ist es gelungen den Spagat aus Tradition und dem Anspruch einer neuen Serie gerecht zu werden, vielmehr den drei Detektiven aus Rocky Beach endlich wieder Charme einzuflössen. Schmunzelnd verfolge ich, wie Jupiter seine Kollegen alleine auf Erkundungsgänge schickt, da Tante Mathilda und Onkel Titus ihn anderweitig einplanen oder die Visitenkarte abermals keinen Abnehmer findet.

Nun setzt sich ein gutes Hörspiel nicht nur aus diesen Aspekten zusammen. Betrachte ich die Handlung, fallen mir so viele Blüten auf, die sich schmückend entlang dieses Astes schlängeln, entzückend mit ihren Farben kokettieren, dass das morsche Holz dahinter fast gar nicht mehr auffallen mag. Doch es ist brüchig, trocken, schon gar kein edles Gehölz. So viel Freude auch die Dialoge machen, so viel Enthusiasmus die wunderbaren Anekdoten und Ideen auch bergen, umso schlichter wurde die Geschichte geschnitzt. Dass der Reiter nun doch einen Kopf besitzt ist sicherlich kein Geheimnis, dass aber der Eindruck nicht oder nur ansatzweise vermittelt wird, dass es eben doch ein Wesen ohne Schädel sein könnte, stört den mysteriösen Anspruch der Folge erheblich. Ich bin sogar geneigt zu sagen, dass der Reiter in der Art wie er ins Geschehen eingebettet wurde, im Grunde überflüssig ist. In der stringenten Art das Geschehen voranzutreiben, steckt die Motivation die Spannung allmählich zu steigern, Fragen aufzuwerfen und letztlich die Lösung des Falls logisch zu gestalten. An sich kein schlechter Gedanke, zumal dadurch den gefürchteten Monologen am Ende die Nahrung fehlt. Leider springt der Inhalt alsbald vom schwarzen Pferd und bricht sich dabei die tragenden Beine. Erklärte Verdächtige wollen einfach nicht wirklich verdächtig wirken, falsche Fährten führen doch zur Lösung und jene fällt hinter ein abgenutztes Motiv und betrübliche Argumente und Verbindungen zurück. Der anfängliche Impuls implodiert gen Schluss.

Unheimlich sollte es doch sein, kopflos, düster, Fingernägel raubend, gruseln sich der Hörer. Dieser verfängt sich hingegen mit der Zeit in ein Gefühl der Nostalgie, vor dem Auge einen Kassettenrekorder erhaschend und freut sich darüber, dass mit Folge sieben Jupiter, Peter und Bob ihre Existenz und Bedeutung wieder gefunden haben. Sie unterhalten hier, sorgen für glückliche Ohren, waren die Ursache dafür, dass ich in meinen Notizen für diese Besprechung notorisch Justus anstelle von Jupiter geschrieben habe. Käme diese Fügung nicht zu Stande, wäre der kopflose Reiter ohne Bedeutung geblieben, ein weiteres durchschnittliches Kapitel in der langen Reihe von Geschichten aus Rocky Beach.


Sprecher

Dass sich die Serie rund um die drei Detektive bezüglich der Qualität ihrer Sprecher nur äußerst selten Gedanken machen muss, belegt diese Folge abermals. Das Gerüst, bestehend aus den Detektiven und dem Erzähler, läuft wie ein Uhrwerk. Thomas Fritsch bewältigt die kurzen Einsätze in angenehmer und schildernder Weise. Rohrbeck fällt ab und an mit Jupiter in nervige Stottereien zurück, die mir schon zu Zeiten der Drei Fragezeichen unangenehm aufgefallen sind. Dagegen hält er den Charakter Jupiters zu jeder Zeit in freundliche und nachdenkliche Lagen. Keine Spur des allwissenden Genies, das sich jederzeit anbiedern muss, stattdessen eine ehrliche intelligente Sprechweise. Peter erlebt durch Wawrczeck alle Facetten von Angst, Euphorie und Engagement. In bedächtiger Ruhe und geflissentlichem Unterstatement unterstützt Bob alias Andreas Fröhlich das Trio bei seinen Ermittlungen. Wer Hörbücher mit Fröhlich als Lesenden genießen durfte, dem mag vielleicht auffallen, was eigentlich alles mit dieser Stimme möglich ist, doch hier an die Grenzen der Rolle von Bob stößt und zurückgehalten werden muss.

Emotionen wecken Karin Lieneweg, die wieder in ihre Rolle als Tanta Mathilda schlüpft sowie Hans Meinhardt in Person von Onkel Titus. Ein wenig in die Jahre gekommen, aber daher wohl auch nach wie vor unverwechselbar und liebenswert. Einen einleitenden Auftritt erhielt Lutz Harder als Marty Stevens, der seine Aufgabe solide und souverän löst. Kauzig und herrlich patzig strömt Achim Schülke in seiner Rolle als Joshua Apeh aus den Boxen, der sich wie eine alte verschlagene Hundelunge anhört. Mit einem südamerikanischen Akzent flaniert Claudia Salazar (Marion Elkis) durch das Hörspiel. Leicht und luftig und doch etwas verschroben. Buchhalter Marvin Cox erhält durch die Interpretation von Jörg Gillner etwas verlebtes, eine Anwandlung von Hoffnungslosigkeit. Robin Bosch (Ralf Dempsey) versucht sehr manierlich seinen Part zu erfüllen, aber es mangelt an Ausdruckskraft, an etwas speziellem.


Musik

Ein hervorragendes Arrangement aus Stücken des Europa-Archivs und frischen Kompositionen. Sehr sorgfältig ausgewählt setzt die Musik Pausen, leitet Szenen ein und färbt diese in entsprechende Stimmungen. Sie begleitet und transferiert, schwankt zwischen spannenden, mysteriösen, eloquenten, neutralen und freundlichen Tönen.


Effekte

Ich habe den Eindruck, dass sich die Qualität der Effekte seit dem Ende der Drei Fragezeichen und dem Debüt dieser Serie gesteigert hat. Es wird viel mehr Wert auf lebendige Räume gelegt. Regen prasselt, Schritte erhalten den passenden Untergrund, Musik läuft im Hintergrund von Wohnungen ab, so dass der Eindruck entsteht, mitten in das Leben einer Person zu blicken. Lediglich die Sequenzen im Auto empfinde ich recht künstlich. Gespräche werden von Geräuschen eines fahrenden Autos unterlegt und so hört es sich auch an ...unterlegt.


Cover

Das Cover gefällt mir außerordentlich gut. Es weckt Neugierde, kitzelt Gänsehaut hervor. Klasse!


Fazit

Ich fühle mich geliebt und verstossen. Der kopflose Reiter bietet viel für die geschundenen Herzen der Fans was die Rollen der drei Detektive betrifft. Versiert und mit so vielen kleinen Details versehen, bereiten die Dr3i enorm Freude. Gäbe es diese Momente nicht, bliebe ein biederer Fall, der ziemlich schnell den Vorhang sehen würde. In diesem Sinne...mit dem Herzen schmunzeln...mit dem Verstand weinen. :D


Das im Hintergrund ablaufende Spektakel um Verhandlungen, Rechte und Veröffentlichungen außen vor zu lassen fällt schwer. Im Schweizer I-Tunes Shop ist die Folge nach wievor bestellbar und CDs sind wohl auch in das schöne Land gewandert. In Deutschland sind die Läden jedoch leer. Vorläufig?! Das bleibt abzuwarten. Eines ist allerdings gewiss. Dieser Zustand ist aus Sicht der Kunden nicht mehr nachvollziehbar, gar unhaltbar und tendiert zielstrebig ins Lächerliche.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Panaray« (28. Oktober 2008, 21:13)


2

Mittwoch, 5. Dezember 2007, 22:00

Weil ich das hier gerade (mal wieder und mit Genuss) lese. Wird es denn von dir auch eine Rezension zum Jahrhundertstein geben? :)


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Besen-Wesen

Ivan Kunaritschew

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3

Donnerstag, 8. Januar 2009, 11:00

Schöne Rezension, aber die Folge mag ich nicht. Kürzlich beim Rudelhören nochmal gehört - sehr haarsträubend, was das Zentrum des Geschehens und die Gründe betrifft, auch wenn Atmosphäre und Musik gefallen.
Die Geschichte ist schleichtweg blöd. Da nützt das alles nichts.
I don't kehr.

Schamane

Der Pfarrer mit den Laseraugen

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4

Donnerstag, 8. Januar 2009, 17:35

Ich mag die Folge und es ist auch die Folge, die ich am besten im Ohr habe, würde ich behaupten.
Wer nicht sehen will, muss hören! :-)

http://olis-weite-welt-des-wahns.blogspot.com



One way ticket und Grüße an den Rest